Chancen und Herausforderungen einer digitalen Hochschule

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

 

vor zwanzig Jahren hat man sich für Vorlesungen noch handschriftlich auf Listen angemeldet. Dasselbe galt für Prüfungsleistungen. Die Klausurergebnisse hingen an Pinnwänden im Flur aus. Es war ein riesiges Gedränge und es dauerte immer eine Weile bis man wusste, ob man bestanden hatte. Verpasste man eine Veranstaltung, war man darauf angewiesen, dass Kommilitonen ihre Notizen teilten. Thesenpapiere zu Referaten gab es nur in Papierform, ebenso die Studienbescheinigungen, die man im Studierendensekretariat abholen musste. Nach vorhandenen Lehrbüchern suchte man in Karteikästen, die Ausleihe wurde auf Karten vermerkt.

 

Ein solches Studium gehört längst der Vergangenheit an.

 

Es fängt bereits bei der Bewerbung an. Die Einschreibung, die Überweisung des Semesterbeitrags, die Anmeldungen für Vorlesungen, Seminare und Tutorien, die Erstellung der Stundenpläne, die Anmeldung von Prüfungsleistungen, Studienbescheinigungen, die Ausleihe von Lehrbüchern in der Bibliothek – alles ist inzwischen online möglich. Die Kommunikation zwischen Dozenten und Studierenden, innerhalb von Lerngruppen und mit der Hochschulverwaltung geschieht elektronisch. Unterlagen, Präsentationen, Übungsaufgaben, Prüfungsvorbereitungen und Mitschnitte werden auf Online-Plattformen zur Verfügung gestellt.

 

Die Digitalisierung verändert den Studienalltag und zum Teil auch die Struktur der Studiengänge und der Lehre selbst. Das Projekt "Flipped Classroom" ist dafür ein gutes Beispiel. Basics werden nicht mehr frontal im Hörsaal vermittelt, sondern von den Studierenden eigenverantwortlich daheim erarbeitet und anschließend im persönlichen Gespräch mit den Dozenten diskutiert und vertieft. Dazu werden Videos mit Übungen und Fragen online zur Verfügung gestellt, die den persönlichen Wissensstand und das unterschiedliche Lerntempo der Studierenden berücksichtigen.

 

E-Learning alleine führt jedoch keineswegs automatisch zu besseren Studienangeboten und einem höheren Studienerfolg. Materialien ins Netz zu stellen, beinhaltet noch keinen wesentlichen Zusatznutzen und bedeutet noch keinen digitalen Fortschritt. Wir müssen darauf achten, dass E-Learning tatsächlich zu einer Qualitätssteigerung des Lernens beiträgt und nicht den persönlichen Dialog zwischen Lehrenden und Lernenden ersetzt.

 

Die bisherigen Erfahrungen zeigen bereits: Die Digitalisierung ist an den Hochschulen in NRW angekommen. Sie trägt zu einer besseren Studierbarkeit und zu mehr Studienerfolg bei. Lehr- und Lernangebote lassen sich besser an die individuellen Bedürfnisse, Lebensumstände, Vorkenntnisse und Erfahrungen der Studierenden und der Studieninteressierte anpassen. Somit bietet der Digitale Wandel viele Chancen für eine zunehmend buntere, heterogenere und vielfältigere Studierendenschaft. Diese müssen wir nutzen.

 

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

 

die Hochschullehre ist und bleibt auch in Zeiten der Digitalisierung Sache jedes einzelnen Dozenten – und das ist auch gut so. In Lehrinhalte darf sich die Landesregierung nicht einmischen und sie will es auch nicht. Uns interessiert aber, wie Sie über die Chancen und Herausforderungen einer digitalen Hochschule denken:

 

Welche Erfahrungen haben Sie gemacht? Wie hat der digitale Wandel den Alltag an Ihrer Hochschule verändert? Trägt die Digitalisierung zu einer Individualisierung und einer Internationalisierung des Studiums bei? Welchen Herausforderungen und Hindernissen sind Sie bei der Umsetzung der Digitalisierung an Hochschulen begegnet?

 

Sind Sie mit den bisherigen digitalen Angeboten an Ihrer Hochschule zufrieden? Haben Sie weitere Vorschläge, Ideen und Anregungen, um den digitalen Wandel in Lehre und Forschung voranzutreiben?

 

Sind alle Studierenden heute digital natives? Welche digitalen Ansprüche stellen sie an Ihren Studiengang? Welche Rolle spielen die digitalen Lehr- und Lernangebote bei der Wahl des Studienortes? Ist die notwendige (wissenschaftliche) Medienkompetenz vorhanden?

 

Wie wichtig ist eine hochschulübergreifende Zusammenarbeit, wie sie das "Netzwerk E-Learning NRW" bietet? Welche Synergien und Erfahrungen im Bereich Service und Support lassen sich bündeln?

 

Diese Fragen stellen wir Ihnen. Wir möchte den Dialogprozess "Lernen im Digitalen Wandel" zum Austausch und zur Diskussion von gelungenen Konzepten und Projekten nutzen und zeigen, was in NRW bereits alles geschieht, wie Digitalisierung für gute Lehre genutzt wird.

 

Beteiligen Sie sich. Bringen Sie sich ein. Diskutieren Sie mit uns.

 

 

Ihre Svenja Schulze und Ihr Prof. Michael Kerres