Finale Thesen für ein Leitbild zum Lernen im Digitalen Wandel

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Forum 1: „Selbstbestimmtes Leben“

These 1

Politik muss den digitalen Wandel in all seinen Facetten einbeziehen, damit eine individuelle Selbstbestimmung und ein sozialer Zusammenhalt in unsere Gesellschaft gewährleistet bleiben. Dabei gilt es, allen Bürgerinnen und Bürgern, unabhängig von ihrer sozialen und wirtschaftlichen Lage, die Chance auf umfassende Teilhabemöglichkeiten zu bieten, um eine gesellschaftliche Spaltung zu verhindern. Das Ziel ist das reflektierte digitale Medienhandeln aller Gesellschaftsmitglieder.

Das bedeutet zum Beispiel:

  • zu evaluieren ist, ob die vorhandenen Angebote, Methoden und Instrumente der Medienkompetenzförderung dem digitalen Wandel bereits ausreichend Rechnung tragen;
  • Angebote der Förderung von (digitaler) Medienkompetenz weiter erprobt und weiterentwickelt werden müssen, die auch neue bzw. zusätzliche Zielgruppen in den Blick nehmen;
  • die Bildungsinstitutionen von der Kita über die Schulen, die Hochschulen und die Institutionen der beruflichen Bildung bis hin zur Jugend- und Erwachsenenbildung sowie die außerschulische Kinder- und Jugendarbeit das Thema digitale Bildungskompetenz strukturell noch stärker in ihren Angeboten verankern müssen;
  • das Thema Medienkompetenzförderung verstärkt mit finanziellen Ressourcen ausgestattet und auch Spielräume für neue innovative Pilotprojekte geschaffen werden muss.

These 2

Politik und Gesellschaft müssen für einen digitalen Ordnungsrahmen sorgen, der für jeden Einzelnen Sicherheit und Transparenz im Umgang mit digitalen Daten und Medien gewährleistet. Da ein kompetenter und reflektierter Umgang mit digitalen Daten und Medien nicht allein eine individuelle Aufgabe ist, gilt es, Anbieter (Geräte, Software) darauf zu verpflichten, ihre Angebote stärker auf die Interessen und Schutzrechte der Nutzer auszurichten.

Dies bedeutet u. a.:

  • Anbieter mit einzubeziehen;
  • "Safety by Design" zu realisieren;
  • rechtliche Grundlagen mit Blick auf Datenschutz und Urheberrecht nachzuschärfen;
  • Anbieter von Medientechnik wie Tablets, Lernsoftware etc. darauf zu verpflichten, ab Werk für den Nutzer jeweils den höchsten Datenschutzstandard einzustellen (Privacy by Design);
  • dass Nutzer grundsätzlich die Möglichkeit haben, zu entscheiden, ob von ihnen generierte Daten gespeichert und von Dritten genutzt werden können bzw. dürfen (Data-Mining nur bei individueller Zustimmung);
  • Möglichkeiten zur Verschlüsselung von individuell generierten Daten (Encryption) angeboten werden;
  • konkrete Leitlinien für mehr Transparenz bei AGBs zu definieren sind;
  • Nutzer transparent über urheberrechtliche Aspekte informiert werden, etwa bei der Nutzung von Lernsoftware;
  • dass zu prüfen ist, ob die vorhandenen urheberrechtlichen Regelungen der stärkeren Verbreitung von lizenzfreien Inhalten (Open Educational Resources) dienlich sind oder sie eher behindern.

These 3

Jedes Angebot zur Förderung von Informations- und Medienkompetenz muss eingebettet sein in ein Gesamtkonzept der kulturellen, politischen und fachspezifischen Bildung. Dies trägt zur Reflexion von ethischen Grundlagen bzw. Wertzusammenhängen bei.

Das bedeutet z. B.:

  • fortwährende Auseinandersetzung mit dem „generierten“ Menschenbild;
  • entsprechende Bildungsorte zu schaffen, vorwiegend durch Vernetzung und Einbindung bestehender Träger, da viele Strukturen vorhanden sind (bspw. Bibliotheken, Jugendbildungsstätten, Familienzentren, Einrichtungen kultureller Bildung);
  • dass neben Ansätzen, die technisches Verständnis fördern (z.B. Funktionsweise von Systemen) kreative Betätigung und künstlerischer Ausdruck stärker Eingang finden in die Förderung von digitaler Medienkompetenz;
  • virulente Themen wie derzeit Hate-Speech in sozialen Netzwerken, (digitales) Mobbing (etwa mit der Weitergabe privater Fotos) oder auch Genderfragen (etwa im Zusammenhang mit Computerspielen) berücksichtigt werden;
  • dass mehr über den Schutz geistigen Eigentums aufgeklärt werden muss.

These 4

Die Förderung digitaler Medienkompetenz muss im Sinne der Inklusion gerade auch benachteiligte Gruppen in den Blick nehmen, z.B. Menschen mit Behinderungen, Flüchtlinge und alle Menschen in schwieriger wirtschaftlicher und/oder sozialer Lage. Der digitale Wandel bietet gerade auch diesen Menschen zusätzliche Chancen auf ein selbstbestimmtes Leben und gesellschaftliche Teilhabe.

Das bedeutet:

  • Angebote der Medienkompetenzförderung noch stärker auf diese Zielgruppen zuzuschneiden;
  • schwierige Ressourcenfragen etwa mit Blick auf die technische Ausstattung von z.B. Flüchtlingsunterbringungseinrichtungen oder auch Behinderteneinrichtungen zu adressieren;
  • Organisationen, wie z.B. Sozialverbände und Flüchtlingsinitiativen, in die Medienkompetenzförderung einzubeziehen;
  • dass Offenheit besteht, gerade hier mit neuen und ggf. unkonventionellen Partnern zusammenzuwirken (Beispiel Freifunk).

These 5

Die vielfältigen bestehenden und zukünftigen Angebote zur Förderung von Medienkompetenz sowie deren Anbieter bzw. Initiatoren sollen sich über Institutionen und Disziplinen bestmöglich miteinander vernetzen und bekannter gemacht werden.

Dies bedeutet:

  • dass Initiativen, Träger und Projekte noch mehr Ressourcen in Vernetzung und konkreten Erfahrungsaustausch investieren (Zeit inkl. Experimentierraum für Piloten, Infrastruktur, Personal, Finanzmittel) und dabei gerade auch die digitalen Möglichkeiten noch konsequenter nutzen, um konkreten Austausch zu organisieren und zu eruieren, ob Digitale Tools/Plattformen zur Vernetzung ausreichen für den Austausch über bereits laufende gute Praxisbeispiele sowie der Spielraum für innovative Pilotprojekte weiter ausgebaut wird;
  • Festzustellen, ob Leitinstitutionen oder -organisationen der Medienkompetenzförderung noch stärker als bisher eine koordinierende Funktion übernehmen können und sollen (Bsp.: LfM lt. gesetzlichem Auftrag)
  • dass geklärt wird, inwiefern die Politik bzw. der Staat für bessere Vernetzung zusätzliche Ressourcen zur Verfügung stellen kann (bspw. durch die Formulierung entsprechender Förderprogramme)
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Forum 2: „Frühkindliche Bildung“

These 1

Die ersten Erfahrungen mit Medien werden in der Familie gemacht. In einer mediatisierten Gesellschaft ist die digitalisierte Lebenswirklichkeit von Kindern und Familien eine Tatsache, die es zu begleiten und zu gestalten gilt. KiTa ist Teil dieser Lebenswirklichkeit.

These 2

Eltern haben eine wichtige und verantwortungsvolle Rolle als Vorbilder und Begleitende. Die Medienpraxis in der Familie ist der erste Ort der Mediensozialisation. Deshalb gilt es, Eltern im Rahmen einer gelingenden Erziehungs- und Bildungspartnerschaft in die Medienbildung aktiv mit einzubeziehen und die vielfältigen Lebensbedingungen von Familien in diesem Zusammenhang zu berücksichtigen.

These 3

Die Mediatisierung von Kindheit ist in der pädagogischen Arbeit als Teil des Bildungsauftrags verantwortlich zu gestalten. Das bedeutet eine in den pädagogischen Handlungsalltag eingebettete Begleitung und Thematisierung digitaler Medien, die situativ und nicht curricular oder allein projektbezogen erfolgt.

These 4

Medienbildung muss als Querschnittsaufgabe integraler Bestandteil der Ausbildung sowie der Fort- und Weiterbildung pädagogischer Fachkräfte sein, die mit Kindern und Familien arbeiten.

These 5

Eine medienreflexive Begleitung des Aufwachsens benötigt insbesondere:

  • eine durchgehende Beachtung sozial ungleicher Ressourcen und Teilhabebedingungen seitens der Familien und eine fachlich sensible Einbettung von Medien im pädagogischen Alltag;
  • einen achtsamen und verantwortungsbewussten Umgang mit Daten in Bezug auf Datenschutz.

Daher setzt eine gelingende Medienerziehung entsprechendes Wissen sowie die Reflexion der eigenen Medienpraxis und -einstellungen der pädagogischen Fachkräfte voraus.

These 6

Die Träger von Einrichtungen, die mit Kindern und Familien arbeiten, sind gefordert, den Bildungsauftrag verlässlich und verantwortungsbewusst zu gestalten und zu unterstützen.

Die Ausstattung von Einrichtungen mit digitalen Medien und die Entwicklung medienbezogener Konzepte sowie Richtlinien für den Umgang mit den Medien, die insbesondere Datenschutzaspekte im Medienalltag berücksichtigen, sind wichtige Trägeraufgaben, die systematisch wahrzunehmen sind.

These 7

Eine angemessene Begleitung der Medienbildung in der frühen Kindheit benötigt entsprechende Rahmenbedingungen. Das bedeutet in den jeweiligen Verantwortungsbereichen Steuerungsverantwortung zu übernehmen: für Datenschutzfragen, für eine gute personelle, zeitliche und materielle Ausstattung  der Einrichtungen, sowie medienbezogene Beratung zu ermöglichen und eine Qualifizierungsoffensive zu initiieren.

These 8

Die verbindliche Umsetzung einer Verankerung digitaler Medienbildung sowie entsprechender organisationaler Konzepte und Strukturen erfordert die Bereitstellung von Zeit, Mitteln und systematischer Begleitung in Prozessen.

Um aktuelle (Medien)-Entwicklungen angemessen begleiten zu können, bedarf es gut ausgebildeter Medien-Fachberatung, die zielgruppen- und feldspezifisch berät.

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Forum 3: „Schule und Weiterbildung im Digitalen Wandel“

These 1/2

Der Unterricht in allen Bildungsgängen, Schulstufen und Fächern soll die Chancen der digitalen Welt für das fachliche Lernen und die Entwicklung von Medienkompetenzen nutzen – der Kompetenzrahmen des Medienpasses NRW dient dabei als verbindlicher Orientierungsrahmen. Alle künftigen Lehrpläne werden digitale Aspekte fachlicher Kompetenzen schrittweise verbindlich machen.

Kompetenzen für das Leben, Lernen und Arbeiten in der digitalen Welt müssen entlang des gesamten Bildungsweges in allen Fächern erworben werden. Medienkompetenz ist integraler Bestandteil von Bildungsplänen.
Die Digitalisierung hat neue Lehr- und Lernformen geschaffen. Eigenverantwortliches und selbstgesteuertes Lernen kann gestärkt werden.

Damit Kinder, Jugendliche und junge Menschen die Chancen der digitalen Welt nutzen lernen und mögliche Gefahren erkennen und abwenden können, brauchen sie Medienkompetenzen. Medienkompetenzen sind auch Lernkompetenzen. Deshalb werden diese in allen Fächern gefördert und gleichzeitig für aktives Lernen im Unterricht genutzt. Damit wird auch ein Beitrag zur Unterrichtsentwicklung geleistet.

Lern- und Medienkompetenzen ermöglichen Teilhabe an unserer Gesellschaft, helfen sowohl schulische als auch berufliche Abschlüsse zu erwerben und sind relevant für Fach- und Führungskräftesicherung  und damit letztlich auch Standortfaktoren.

Auf der Ebene der Kultusministerkonferenz wird eine Strategie „Bildung in der digitalen Welt“ entwickelt. Daran ist das Schulministerium Nordrhein-Westfalen maßgeblich beteiligt. Der Medienpass NRW ist in die Entwicklung eingeflossen. Ziel der Strategie ist es, verbindliche, fächerübergreifende Anforderungen für das Lehren und Lernen in der digitalen Welt im schulischen Bereich zu formulieren. Das bundesweit zu entwickelnde Kompetenzmodell kann dann Voraussetzung für eine Lehrplannovellierung in den Ländern werden.

These 3

Mit zunehmendem Angebot an vielfältigen digitalen Lernmitteln wird Lernen aktiver und individueller. Die Perspektive des Schulbuches ist digital.

Lernen ist ein aktiver und individueller Prozess, in dem fachliche wie überfachliche Kompetenzen erworben werden. Digitale Lernmittel tragen zu einer Flexibilisierung von Lernangeboten bei.

Digitale Lernmittel bieten Lernenden mit unterschiedlichen Erfahrungen, Voraussetzungen und Interessen vielfältige Zugänge zu Unterrichtsthemen und digitale Werkzeuge eröffnen aktive Formen der fachlichen Auseinandersetzung und Kompetenzentwicklung. Die Qualität und die Vielfalt der Lernmittel wirken sich auf die Qualität von Unterricht aus. Lernende können individuelle Lernangebote nutzen.

Digitale Schulbücher bieten multimediale Vielfalt und eine Fülle von Themen und Themenzugängen, Bearbeitungs- sowie Aufgabenmöglichkeiten; sie können das gemeinsame Arbeiten, die Kreativität und die Individualisierung der Lernprozesse unterstützen.

Die Lizenzformen digitaler Lernmittel sollen konsequent auf die Anforderungen des Unterrichts- und Lernprozesses ausgerichtet sein. Die Vielfalt frei zugänglicher digitaler Medien und Lernangebote bietet allen Kindern und Jugendlichen auch jenseits der Schule Lernmöglichkeiten.

These 4

Der digitale Wandel unterstützt die Schul- und Unterrichtsentwicklung hin zu einer lernenden Schule als Kooperations- und Lernort für Schülerinnen und Schüler, Lehrkräfte, Eltern, Betriebe und außerschulische Partner.

Schulen können sich in der digitalen Welt effektiver organisieren, ihren Unterricht besser für aktiv Lernende planen und gestalten. Lehrkräfte haben einfachere Möglichkeiten des Austausches.
Lernen und Lehren mit digitalen Medien erfordern ein ganzheitliches Konzept der einzelnen Schule. Daran müssen alle mitarbeiten.

Gemeinsam können die Chancen der Digitalisierung besser genutzt werden. Kollegiale Beratung, eine gute Austauschkultur, engere Lernortkooperation und klare Regelungen in der Schule fördern die Schulentwicklung im digitalen Wandel.

Die Veränderungsprozesse, die sich durch den digitalen Wandel entwickeln, sowie die Stärkung der Schule durch die Zusammenarbeit mit Bildungs- und Kultureinrichtungen, Betrieben und anderen außerschulischen Partnern tragen zur Profilierung von Kommunen bei und stärken den Standort.

Die digitale Welt ermöglicht neue Formen von Kommunikation und Kooperation in der Schule, die zur Verbesserung von Unterricht und Schulorganisation genutzt werden. Digitale Kommunikations- und Kooperationsmöglichkeiten erfordern in den Schulen angepasste Regelungen für die Schulkultur, die mit allen Beteiligten in schulischen Gremien entwickelt und abgestimmt werden.

These 5

Die Digitalisierung verändert den Beruf von Lehrerinnen und Lehrern. Ausbildung und unterstützende Fortbildung werden gezielt und systematisch auf die Anforderungen in der digitalen Welt ausgerichtet und ausgeweitet.

Wirksames Lernen erfordert eine hochwertige Grundlegung der fachlichen, didaktischen und überfachlichen Kompetenzen der Lehrerschaft – insbesondere der Lehrer-Rolle – in der universitären und schulpraktischen Lehrerausbildung und in der Lehrerfortbildung; insbesondere werden neben den überfachlichen und fachbezogenen digitalen Kompetenzen die Fähigkeiten zur Kooperation und Schulentwicklung angelegt.

Lernen im digitalen Wandel erfordert von Lehrkräften kontinuierliche Fortbildung. Lehrkräfte müssen befähigt sein und über die Möglichkeiten verfügen, sich in schulinterner Fortbildung gegenseitig im Kollegium und in der regionalen Vernetzung austauschen, beraten, fortbilden und unterstützen. An der Austauschkultur sind neben Lehrkräften und Schülerinnen und Schülern schulformspezifisch und in unterschiedlicher Ausprägung Eltern, Betriebe und außerschulische Partner zu beteiligen.

These 6

Die Schaffung der Infrastruktur für das Lernen in der digitalen Welt ist eine gesamtgesellschaftliche Herausforderung – die gemeinsame Verantwortung von Bund, Ländern und Kommunen soll wahrgenommen werden.

Die Chancen der digitalen Welt für das Lernen und für Organisation, Kommunikation und Kooperation in den Schulen stellen kommunale Schulträger vor die Herausforderung, ihren Schulen eine moderne IT-Ausstattung bereitzustellen.

Alle Schulen brauchen breitbandige Anschlussmöglichkeiten für schnelles Internet. Die WLAN-Ausleuchtung von Unterrichtsräumen und weiteren Lernbereichen der Schule ist eine wichtige Infrastrukturmaßnahme.

Die vom kommunalen Schulträger finanzierte Ausstattung der Schule mit digitaler Infrastruktur und deren Wartung und Support kann durch persönliche Geräte von Schülerinnen und Schülern pragmatisch und sozial ausgewogen ergänzt werden.

Um die digitale Welt für Schul- und Unterrichtsentwicklung verantwortlich nutzen zu können, ist eine rechtlich unbedenkliche und den Anforderungen der IT-Sicherheit entsprechende digitale Basis-IT-Infrastruktur für die Schulen in Nordrhein-Westfalen zu schaffen. Die Prüfung hat ergeben, dass LOGINEO NRW die dazu geeignete Anwendung ist.

Umsetzung und Finanzierung dieser notwendigen IT-Infrastruktur setzt eine gemeinsame Strategie von Bund, Land und Kommunen und eine abgestimmte Zusammenarbeit aller Gebietskörperschaften voraus.

Einmal mehr erweist sich das Kooperationsverbot mehr als hinderlich bei der Entwicklung der Ausstattung der Schulen. Die Kooperation mit der Wirtschaft und den Eltern tritt ergänzend hinzu, kann und darf die öffentliche Verantwortung aber nicht ersetzen.

These 7

Der (gemeinwohlorientierten) Weiterbildung stellen sich im digitalen Wandel Aufgaben der sozialen Integration, Partizipation und neue Möglichkeiten der Flexibilisierung ihrer Angebote.

Damit alle Bevölkerungsgruppen, aber auch Bildungsbenachteiligte an der digitalen Welt teilhaben können, benötigen sie elementare Medienkompetenzen - diese Aufgabe stellt sich im Besonderen der gemeinwohlorientierten Weiterbildung.

Die Digitalisierung bietet die Chance, mit neuen Instrumenten und neuen Formaten neue Zugänge zu heterogenen und auch bildungsfernen Zielgruppen erfolgreicher anzusprechen.
Frei zugängliche digitale Medien und Lernangebote bieten allen Interessierten auch jenseits der Schule Lernmöglichkeiten und leisten somit einen Beitrag zu Bildungsgerechtigkeit.

Der verstärkte Einsatz digitaler Medien stellt neue Anforderungen an die Professionalisierung der Lehrenden.

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Forum 4: „Hochschule 4.0“

Die Digitalisierung eröffnet im Rahmen der Hochschulthemen Lehre, Forschung und Transfer Chancen für die zeitgemäße Weiterentwicklung von Studium und Lehre in ihren jeweiligen Fachkulturen. Hierdurch sollen Studierende Kompetenzen erwerben können, die sie ertüchtigen, den digitalen Wandel der Gesellschaft mit zu gestalten.

Digitale Lehr-Lern-Angebote ermöglichen es, der Vielfalt der Studierenden besser gerecht zu werden – durch zeitlich, räumlich, didaktisch und inhaltlich flexibel gestaltete Studienangebote. Die Digitalisierung leistet einen Beitrag zu mehr Bildungsgerechtigkeit, weil sie hilft, die Hochschulen auch für neue Zielgruppen zu öffnen.

Die Digitalisierung gilt es so zu gestalten, dass für die Nutzenden ein spürbarer Mehrwert erkennbar ist. Das betrifft nicht nur die Lehre, sondern auch die Verwaltungs- und Unterstützungsprozesse in der Hochschule. Die Digitalisierung bietet zudem eine Chance für Hochschulen zur Profilbildung.

Für die Erreichung diese Ziele sind Veränderungen, Ressourcen und eine Ressourcensteuerung notwendig.

Konkrete Erwartungen an die verschiedenen Adressaten hinsichtlich Veränderungs-prozess, Rahmenbedingungen und Kooperation/Kollaboration:

Hochschulleitungen, Lehrende, Studierende

  • Profilorientierte Digitalisierungsstrategie
  • Entwicklung von Curriculum 4.0, Verankerung von Digitalisierungsthemen in Studiengängen mit Aufbau der zugehörigen Lehrenden
  • Berücksichtigung digitaler Lehrkonzepte bei Berufungsverhandlungen und Kompetenzentwicklung von Lehrenden
  • Instrumente für die Entwicklung guter Lehre schaffen, z. B. durch Lehrdeputat, Lehrfreisemester, Lehrindikatoren
  • Sichtbarmachen digitaler Lehrkonzepte (hochschulübergreifender Austausch zwischen Lehrenden, gemeinsame E-Learning-Formate, gemeinsame Contents bereitstellen)
  • Verstetigung digitaler Lehre (Beratung und Support)
  • Beratung der Lehrenden und Unterstützung der Studierenden bei Erstellung und Einsatz digitalen Lehr-/Lernmaterials sowie deren Anrechenbarkeit
  • Ideenwettbewerbe für Studierende, Digitalisierung als Beitrag zu internationalen Kooperationen und Austausch in der Lehre
  • Aktuelle Themen/Probleme digitaler Lehre im Verbund aufgreifen und bearbeiten, um gemeinsame Lösungen zu entwickeln (aktuelles Beispiel: E-Assessment)

Landesregierung

  • Umsetzung im LHEP
  • Berücksichtigung der Profile der Hochschulen
  • Förderung z.B. durch Einrichtung einer DLG (Deutsche Lehrgemeinschaft)
  • Anreize für digitale Lehre setzen
  • Sichtbarmachen digitaler Lehrkonzepte
  • Verstetigung digitaler Lehre (Beratung und Support) anstelle von Projektfinanzierun-gen
  • IT-Sicherheitsrichtlinien für Hochschulplattformen
  • Finanzierung von zentralen Forschungs- und Lehrstrukturen zur Digitalisierung auf Landesebene, auch PPP-Modelle
  • Anreize zur Umsetzung der Lehrverpflichtungsordnung im Sinne der digitalen Lehre
  • Zugriff (Lizenzen, Urheberrecht) für die Bildungslandschaft NRW erleichtern, OER bei Förderausschreibung als Kriterium aufnehmen
  • Geschäftsmodelle der Kooperation erforschen, Moderation der Vernetzung durch das Land NRW

Bundesregierung

  • Urheberrecht, vernünftige VG-Wort-Regelung (Einzelabrechnung § 52a, Schranken-regelung)
  • Datenschutz
  • Finanzierung von zentralen Forschungs- und Lehrstrukturen zur Digitalisierung auf Landesebene
  • IT-Sicherheit
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Forum 5: „Fachkräfteausbildung im Digitalen Wandel“

Präambel

Die zunehmende Digitalisierung beinhaltet Herausforderungen und bietet gleichzeitig Chancen für die Fachkräfteaus- und Weiterbildung in unserem Land. Vor diesem Hintergrund gilt es, auch durch „Lernen im digitalen Wandel“ die Voraussetzungen dafür zu schaffen, weiterhin Innovationskräfte freizusetzen, Fortschrittsfelder zu erschließen und damit  gutes Leben und Arbeiten in Nordrhein-Westfalen  zu sichern und auszubauen.

Der Umgang mit digitalen Medien und den Informations- und Kommunikationstechniken stellt eine unverzichtbare Schlüsselkompetenz dar. Er wird neben Lesen, Rechnen und Schreiben zu Recht auch als „vierte Kulturtechnik“ bezeichnet.

Der Erwerb dieser digitalen Kompetenzen fördert die Teilhabe aller am gesellschaftlichen Leben, die Wettbewerbsfähigkeit der Betriebe und die Beschäftigungsfähigkeit der Bürgerinnen und Bürger. 

These 1

Die Digitalisierung wird die Aus- und Weiterbildung verändern.

Wesentliche Voraussetzung für die Verankerung der „vierten Kulturtechnik“ ist eine integrativ vermittelte Digitalkompetenz für alle Fachkräfte in der beruflichen Aus- und Weiterbildung. Kernkompetenzen im digitalen Bereich sollen zum kritischen und konstruktiven Umgang befähigen. Ihre Vermittlung soll spätestens in den allgemeinbildenden Schulen beginnen.

Berufskollegs, Betriebe, überbetriebliche Ausbildungsstätten und berufliche Weiterbildungsanbieter vermitteln adressatengerecht berufsspezifische Kompetenzen im Umgang mit digitalen Medien, Geräten und Maschinen. Dabei sind Unterschiede zwischen den Generationen  zu beachten. Bei jungen Erwachsenen ist ein Transfer aus dem privaten Umgang mit digitalen Medien in den beruflichen Kontext notwendig, während ältere Beschäftigte eher durch Beratung und spezielle Angebote an digitale Medien herangeführt werden müssen.

These 2

Die Digitalisierung verändert fundamental, was wir lernen und wie wir es lernen.

Der digitale Wandel erfasst auch die Inhalte und Formen der Aus- und Weiterbildung. Er erfordert die Modernisierung von Berufen und Weiterbildungsangeboten. Sie müssen mit Blick auf die betrieblichen Qualifikations- und Innovationsbedarfe und den technischen Fortschritt überarbeitet, angepasst und weiterentwickelt werden.

In jedem Fall ist von entscheidender Bedeutung, dass Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer eine fundierte Ausbildung durchlaufen haben, die zur Beherrschung ihrer beruflichen Tätigkeit und zur ganzheitlichen Weiterentwicklung im hohen Maß qualifiziert. Erst auf dieser Grundlage können die mit der rasant fortschreitenden Digitalisierung verbundenen sich verändernden Herausforderungen bewältigt und neue Kompetenzen bedarfsgerecht angeeignet werden.

Neue Lernformen (z.B. Open Education Ressources, OER) und Vernetzung der Akteure bieten eine Chance für die Didaktik der beruflichen Bildung.

Hier ergeben sich für Beschäftigte und Unternehmen Chancen aus neuen, wechselseitigen Durchlässigkeiten der Systeme der beruflichen und der akademischen Bildung, unter Anerkennung bereits erworbener Fähigkeiten und Qualifikationen. So gewinnen neue Ausbildungsformate zu Recht an Bedeutung.

These 3

Zum digitalen Wandel gehört unternehmerisches und soziales Denken und Handeln.

In der Aus- und Weiterbildung müssen unternehmerisches und soziales Denken und Handeln unter besonderer Berücksichtigung der Kreativität sowie Inter- und Transdisziplinarität gefördert werden. Damit können in unserem Land bisher nicht genutzte Potenziale erschlossen, zusätzliche Innovationskräfte freigesetzt, die dynamische Entwicklung von Gesellschaft und Wirtschaft gefördert sowie Arbeitsplätze gesichert und ausgebaut werden.

  • Die Bedingungen "Gute Arbeit", kontinuierliche berufliche Weiterbildung und strategische Personalentwicklung und -qualifizierung in den Betrieben sichern und schaffen gleichermaßen langfristig Beschäftigungsfähigkeit und Wettbewerbsfähigkeit.
  • Es ist notwendig, in einer neuen Gründergeneration digitales Wissen stärker zu verankern, um elektronische Geschäftsmodelle zu entwickeln, aufzubauen und erfolgreich zu betreiben.
  • Zur Stärkung innovativer, digitaler Produktionsmethoden müssen Politik, Verbände und Kammern insbesondere kleine und mittlere Unternehmen bei notwendigen Anpassungen unterstützen und sie für neue Herausforderungen sensibilisieren. Dabei könnten besonders kleine und mittlere Unternehmen stärker als bisher beispielsweise Demonstrationsfabriken für Industrie 4.0-Anwendungen nutzen, um neue Arbeitsmodelle oder neue Formen digitaler Lern- und Weiterbildungsarrangements zu erproben.

These 4

Der digitale Wandel  erfordert die vielfältige Ergänzung formaler Wissensvermittlung.

Informell erworbenes Wissen ergänzt immer mehr das professionell begleitete, formal angeeignete Wissen. Es fördert neue Formen des inter- und transdisziplinären Lernens und Arbeitens sowie Kreativität und übergreifende Problemlösungskompetenzen und insgesamt das unternehmerische und soziale Handeln. Um die vielfältiger werdenden Lehr- und Lernsettings nutzen zu können, brauchen Auszubildende und andere Beschäftigte hierfür professionelle Anleitung sowie Freiräume an Schulen und in den Betrieben.

These 5

Digitalisierung erfordert Beteiligung.

Um auch in Unternehmen Räume des inter- und transdisziplinären Lernens zu eröffnen, erfordert die Digitalisierung eine transparente, durchlässigere Gestaltung der Unternehmensstrukturen.

Potenziale Aller nutzen, Bedarfe und Möglichkeiten aller in Unternehmensführung einbinden.

Eine Einwebung der Digitalisierung in den betrieblichen Alltag erfordert die Einbindung aller Beteiligten.

Die Nutzung digitaler Medien in der Aus- und Weiterbildung setzt neben Infrastruktur, der Qualifizierung aller Beteiligten und stets verfügbaren, unterstützenden Lernangeboten auch Beteiligungsmöglichkeiten für die Betriebsangehörigen voraus. Deshalb hat die  Zusammenarbeit von Unternehmensführung und Beschäftigten bei der Gestaltung der betrieblichen Qualifizierung eine zentrale Bedeutung.

These 6

Digitale Bildung fördert Integration, Inklusion und Chancengerechtigkeit

Digitalisierung kann helfen, Barrierefreiheit/-armut herzustellen / Barrieren abzubauen

Je bildungsferner bzw. bildungsungewohnter die Beschäftigten, desto wichtiger wird die Einrichtung lernförderlicher Rahmenbedingungen am Arbeitsplatz, die professionell begleitet werden müssen. Ziel ist es, die Beschäftigten frühzeitig zu unterstützen und ihre Beschäftigungsfähigkeit zu erhalten. Beim Aufbau von lernförderlichen Rahmenbedingungen am Arbeitsplatz sind größere Unternehmen oft weiter als kleine und mittlere.

Gerade kleine und mittlere Unternehmen stehen im digitalen Wandel in einem Spannungsverhältnis. Sie müssen einerseits dafür sorgen, dass Beschäftigte und Unternehmensleitungen geeignete Lernangebote wahrnehmen können, um Beschäftigungsfähigkeit langfristig zu erhalten und weiter auszubauen, und andererseits müssen sie darauf achten, dass hierdurch keine Nachteile für betriebliche Arbeits- und Produktionsprozesse entstehen. Daher sollen vor allem kleine und mittlere Unternehmen dabei unterstützt werden, die aufkommenden Chancen digitaler Lehrmethoden, beispielsweise mithilfe von serious gaming, zu nutzen.

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Schluss

Der digitale Wandel ist eine Herausforderung, die sowohl organisatorisch als auch finanziell in gesamtgesellschaftlicher Verantwortung konstruktiv und kooperativ unter Berücksichtigung der Megatrends – wie „Work-Life-Balance“, „demografischer Wandel“ oder „Big Data“ – und Ressourcen zu gestalten ist. Grundvoraussetzung für alle Anstrengungen ist eine gute digitale Infrastruktur.

Die bereits vorhandenen und somit erprobten und neue, aufwachsende Ansätze zur beruflichen Qualifizierung im digitalen Bereich werden anerkannt und sollen verstärkt unterstützt werden.

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